Probiotika gegen Durchfall bei Augmentin: Evidenzbasierter Leitfaden

23. März 2026
Verfasst von Redaktion Rundumsleben24.de

 

Du hast gerade Augmentin (Amoxicillin-Clavulansäure) verschrieben bekommen und machst dir Sorgen, dass die fünftägige Therapie in wochenlangem Magendarm-Chaos endet? Diese Sorge ist berechtigt: Bis zu 30 % der Menschen, die Augmentin einnehmen, entwickeln einen antibiotika-assoziierten Durchfall (AAD). Die gute Nachricht ist, dass du dieses Risiko mit spezifischen Probiotika deutlich senken kannst. Die besten wissenschaftlichen Belege gibt es für die Hefe Saccharomyces boulardii und das Bakterium Lactobacillus rhamnosus GG (LGG). Direkt zu Beginn der Einnahme eingesetzt, können sie die Wahrscheinlichkeit für Durchfall um etwa 30–40 % reduzieren. In diesem Leitfaden erfährst du, wie du diese Stämme genau dosierst, zum optimalen Zeitpunkt einnimmst und welche Sicherheitsaspekte du unbedingt beachten musst – mit konkreten Tabellen und einem einfachen Einnahmeplan.

Warum löst Augmentin besonders häufig Durchfall aus?

Augmentin ist ein Breitbandantibiotikum, das nicht nur Krankheitserreger, sondern auch Teile der gesunden Darmflora angreift. Die enthaltene Clavulansäure verstärkt diese Wirkung. Das Resultat ist ein Ungleichgewicht (Dysbiose), das zu wässrigem Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen führen kann. Bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet: Kinder, ältere Menschen über 65 Jahre, Personen, die bereits früher AAD hatten, oder Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden. Für sie ist eine gezielte Prävention besonders sinnvoll. Ein umfassender Überblick über Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen von Augmentin findet sich im detaillierten Leitfaden auf rundumsleben24.de, der auch wichtige Hinweise zur Unterstützung des Körpers während der Therapie gibt.

Evidenzbasierte Wahl: Diese zwei Probiotika-Stämme haben die stärksten Daten

Meta-Analysen, unter anderem der Cochrane Collaboration und der europäischen Fachgesellschaft ESPGHAN, bestätigen die Wirksamkeit bestimmter Probiotika. Es existieren zwar keine Studien, die ausschließlich Augmentin untersuchen, die Ergebnisse aus Studien mit ähnlichen Breitband-Beta-Lactam-Antibiotika sind jedoch gut übertragbar.

Saccharomyces boulardii – der Hefe-Stamm mit hoher Evidenz

Dieser probiotische Hefestamm ist nicht bakterienbasiert und wird vom Antibiotikum selbst nicht abgetötet. Studien zeigen eine konsistente Schutzwirkung. Die „Number Needed to Treat“ (NNT) liegt bei etwa 10, das heißt: Um einen Fall von Durchfall zu verhindern, müssen 10 Personen das Probiotikum einnehmen. Das ist eine solide Wirksamkeit.

Lactobacillus rhamnosus GG (LGG) – der klassische Bakterienstamm

LGG ist einer der am besten erforschten probiotischen Bakterienstämme. Seine Wirksamkeit bei Kindern ist besonders gut belegt (ESPGHAN-Empfehlung). Er besiedelt vorübergehend die Darmwand und konkurriert mit schädlichen Keimen.

Multistrain-Präparate – eine potenzielle Alternative

Einige Studien deuten darauf hin, dass Kombinationen aus mehreren Stämmen (z. B. LGG mit anderen Laktobazillen und Bifidobakterien) ebenfalls wirksam sein können. Die Evidenz ist hier jedoch weniger einheitlich als für die Einzelstämme. Wenn du dich für ein Multistrain-Produkt entscheidest, achte darauf, dass es eine hohe Gesamtkeimzahl (mindestens 10 Milliarden KBE) und einen der oben genannten Leitstämme enthält.

Das Praxisprotokoll: Konkrete Dosierung, Timing und Dauer

Die größten Unsicherheiten betreffen die genaue Dosierung und Einnahmedauer. Hier findest du eine konsolidierte, praxisnahe Anleitung basierend auf den Dosisbereichen aus randomisierten Studien und Leitlinien.

Dosierungstabelle für Erwachsene und Kinder

Die Dosis wird in koloniebildenden Einheiten (KBE) angegeben. Suche auf dem Produktetikett nach dieser Angabe.

Probiotischer Stamm Erwachsene (Zieldosis/Tag) Kinder (Zieldosis/Tag) Typische Darreichungsform
Saccharomyces boulardii 5–10 × 109 KBE (5–10 Milliarden) 5–10 × 109 KBE* Kapseln, Pulver
Lactobacillus rhamnosus GG (LGG) 1–10 × 109 KBE (1–10 Milliarden) 1–5 × 109 KBE Kapseln, Pulver, kaubare Tabletten

*Für Kleinkinder unter 2 Jahren sollte die Gabe vorher mit dem Kinderarzt besprochen werden. Die Dosis kann entsprechend reduziert werden; Produktspezifische Kinderdosierung beachten.

Schritt-für-Schritt-Einnahmeplan

  1. Startzeitpunkt: Beginne mit der Einnahme des Probiotikums am selben Tag wie die erste Augmentin-Dosis. Ein späterer Start reduziert die Schutzwirkung.
  2. Einnahmeabstand: Nimm das Probiotikum mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 2–3 Stunden zur Augmentin-Tablette ein. So vermeidest du, dass das Antibiotikum die probiotischen Bakterien (bei LGG) sofort abtötet.
  3. Dauer der Einnahme: Führe die Probiotika-Einnahme während der gesamten Dauer der Antibiotikatherapie fort. Bei Patienten mit hohem Risiko (z. B. früherer AAD, Krankenhausaufenthalt, älter als 65 Jahre) wird in Leitlinien eine verlängerte Einnahme für 7–14 Tage nach dem letzten Antibiotikum erwogen, um die Darmflora bei der Regeneration zu unterstützen.

Sicherheitscheck: Wann Probiotika nicht eingenommen werden sollten

Probiotika sind für die meisten gesunden Menschen sicher. In speziellen Situationen überwiegen jedoch die Risiken. Diese Checkliste hilft bei der Entscheidung:

  • Schwere Immundefizienz: Bei einer bestehenden schweren Immunschwäche (z. B. durch Chemotherapie, unbehandelte HIV-Infektion, hochdosierte immunsuppressive Therapie nach Organtransplantation) sollten Probiotika nicht eingenommen werden, da das Risiko für systemische Infektionen (z. B. eine Fungämie durch S. boulardii) erhöht ist.
  • Zentrale Venenkatheter: Patienten mit zentralen Venenkathetern („Port“) sollten auf S. boulardii verzichten, da die Hefe über den Katheter in die Blutbahn gelangen kann.
  • Schwerkranke Patienten auf der Intensivstation.
  • Schwere akute Bauchspeicheldrüsenentzündung.
  • Allergie gegen einen Bestandteil des Probiotikums (z. B. Milchbestandteile in einigen LGG-Präparaten).

Im Zweifelsfall sollte immer der behandelnde Arzt oder die Apothekerin konsultiert werden.

Häufige Fragen (FAQ) kurz beantwortet

Kann ich probiotischen Joghurt statt spezieller Präparate nehmen?

Probiotischer Joghurt enthält meist zu niedrige und nicht genau definierte Keimzahlen der benötigten Stämme. Zudem tötet Augmentin die Bakterien im Joghurt ab. Für eine zuverlässige Prävention von AAD sind daher hochdosierte, magensaftresistente Präparate mit den oben genannten Stämmen deutlich besser geeignet.

Was mache ich, wenn trotz Probiotika Durchfall auftritt?

Leichter Durchfall kann dennoch vorkommen. Wichtig ist, viel zu trinken (Elektrolytlösungen aus der Apotheke helfen). Setze das Probiotikum nicht ab, sondern fahre mit der Einnahme fort. Bei schwerem, wässrigem Durchfall, Fieber oder Blut im Stuhl muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um eine Clostridioides-difficile-Infektion (CDI) auszuschließen.

Gibt es Unterschiede zwischen deutschen Produkten?

Ja, die Auswahl in deutschen Apotheken und Drogeriemärkten ist groß. Achte beim Kauf auf die genannten Stämme (S. boulardii CNCM I-745 oder L. rhamnosus GG) und die in der Tabelle angegebenen KBE-Zahlen. Bekannte Marken in Deutschland, die diese Stämme enthalten, sind beispielsweise „Perenterol“ (S. boulardii) oder „Antibiophilus“ (LGG).

Fazit: Dein klarer Aktionsplan bei Augmentin-Therapie

Um das Risiko für antibiotika-assoziierten Durchfall unter Augmentin effektiv zu senken, hast du zwei evidenzbasierte Optionen: Saccharomyces boulardii oder Lactobacillus rhamnosus GG. Beginne mit der Einnahme eines dieser Präparate am ersten Tag der Antibiotikagabe, nimm es mit einem Abstand von 2–3 Stunden zur Tablette ein und setze es bis zum Ende der Therapie fort. Nutze die Dosierungstabelle für die korrekte Menge entsprechend deinem Alter. Prüfe vorher mit der Sicherheitscheckliste, ob bei dir keine Kontraindikationen vorliegen. Diese strukturierte Vorgehensweise nutzt die beste verfügbare Evidenz, um deine Darmgesundheit während der antibiotischen Behandlung bestmöglich zu unterstützen.

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